Rassismus? Bei der BVG doch nicht…

Aktuell hat es die BVG nötig, mit ihrer Image-Kampagne „Weil wir dich lieben“ auf sich aufmerksam zu machen. Doch die Liebe scheint nicht nur nicht zahlende Kunden auszuschließen. Ob Menschen aus anderen Ländern, die nicht mit einer fetten Geldbörse als Tourist_Innen kommen, ist nach der Lektüre des „Berliner Fensters“ vom 13.2.2015 fraglich. Dort wird wie in der Zeit der Ausländerjagdten der 1990ger Jahre von einer angeblichen „Asylbewerberflut“ berichtet.

Der im Folgenden kritisierte Beitrag wurde den am 13.2.2015 von „N24″ im „Berliner Fenster“, dem von der „Berliner Fenster GmbH“ bereitgestellten „Fahrgastfernsehen“ veröffentlicht. In dem Beitrag wird in altbekannter 90er Jahre Asylanten-Hetze-Tradition in großen Buchstaben „Asylbewerberflut“ getitelt. Völlig unkritisch wird dann von die Menschenrechte einschränkenden „beschleunigten Asylverfahren“ berichtet, für die Bund und Länder mehr Personal einstellen würden. Abschließend wird dies mit den angeblich „immens gestiegenen Zahl an Asylbewerbern aus dem Kosovo“ gerechtfertigt.

„Flut“ oder Rinnsaal?
Selbst wenn der ganze Kosovo umziehen würde, hätte die Bundesrepublik gerade einmal 1,8 Millionen Einwohner_innen mehr. Für alle, die diese Zahl ganz ganz groß finden: Das ist lediglich die Hälfte der Einwohner_innen Berlins. Ganz konkret besteht die gesamte „Flut“ von Menschen, die laut Bundesregierung im Januar einen Asylantrag stellten, aus lediglich 21.600 Menschen. Auf 12 Monate hochgerechnet ergeben diese ca. 260.000 Menschen lediglich eine Bevölkerungszuwachs von nichtmal 0,4 %.

Massenweise Abschiebungen
Vergegenwärtigen muss man sich dann, dass die deutschen Abschiebebehörden von den hochgerechnet 260.000 Asylanträgen lediglich 0,3% als gerechtfertigt ansehen. Zusammengezählt entspricht das noch nicht einmal der Einwohner_innenzahl der Gemeinde Löwenberger Land, die auf sehr genauen Karten (!) nördlich von Berlin in Brandenburg zu finden ist. Unter dieser Betrachtung wird deutlich, was für ein Witz die in den BVG-Bahnen ganz unkritisch herbeifantasierte „Flut“ ist.

Aus Sprache wird Gewalt
Was eine derartige Sprache in Politik und Medien dagegen heraufbeschwören kann, zeigen die Exesse der frühen 90ziger Jahre. Genau das medial massenhaft wiederholte rassistische Bild der „Flut“, das Menschen nicht als Individuen mit Gesicht und Stimme sieht, sondern als abstrakte, entpersonalisierte Gefahr, bereitete den Boden für Brandanschläge und Menschenjagten im Gefolge der Wiedervereinigung.

Sichere Herkunftsländer?
Häufigstes Herkunftsland der Geflüchteten ist übrigens Syrien. Aber um auch dieses Land per Verordnung zum „Sicheren Herkunftsland“ umzustempeln, scheint selbst deutschen Behörden die Frechheit zu fehlen. Der Kosovo gilt in den Augen der Bundesregierung hingegen als „sichere Demokratie“. Aber warum man dann die KFOR,die Nato geführten Truppen im Kosovo nicht abziehen kann, fragt sich offensichtlich niemand. Vermutlich ist die Vorstellung, der Kosovo sei voll das Super-Land, nur dann einleuchtend, wenn man sein armes deutsches Volk durch ein paar Tausend als „anders“ konstruierte Menschen gefährdet sieht. Was anscheinend bei den Macher_innen des Berliner Fensters der Fall ist. Warum sollten sie sonst das alte rassistische Klischee von der „Flut“ pflegen?

Rassistische Ressentiments sind salonfähig
Die angesprochene Konstruktion der Fremden, die im Berliner Fenster wiederholt wird, ist bestimmt nicht von langer Hand geplant. Vielmehr zeigt sie recht eindrücklich, was das bürgerliche Millieu aus den 1990ern in die heutige Zeit einfach mitgeschleift hat: Rassistische Ressentiments sind U-Bahn- und salonfähig.

Mehr Infos:

Die im Artikel zitierten Zahlen und Definitionen kommen aus der faz:
http://www.faz.net/aktuell/politik/asylbewerber-aus-dem-kosovo-die-mittelschicht-flieht-13425552.html“> http://www.faz.net/aktuell/politik/asylbewerber-aus-dem-kosovo-die-mittelschicht-flieht-13425552.html


4 Antworten auf „Rassismus? Bei der BVG doch nicht…“


  1. 1 ... 13. Februar 2015 um 23:41 Uhr

    Dem was ihr schreibt nach ist nicht die BVG sondern N24 rassistisch…

  2. 2 InKuKa 19. Februar 2015 um 15:52 Uhr

    Selten so einen miesen Artikel gelesen. Beim Thema Rassismus hat die Redaktion geschlafen. Von der Recherche miserabel. Schade, dass das das Niveau ist, das man zum Studieren heute braucht.

  3. 3 Administrator 19. Februar 2015 um 21:17 Uhr

    …Schade, dass das heute trotz der rassistischen Welle in den 1990gern heute das Niveau ist, das man zum Kommentieren braucht…

  1. 1 N24 antwortet auch zur „Asylbewerberflut“ « hu.blogsport.de Pingback am 23. Februar 2015 um 15:08 Uhr

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