Münkler-Watch Folge 3b

vom 28.4.2015

Nation und Staat: Münkler als Theoretiker der Subversion

Münklers Vorlesung zu Staat und Nation: Kaum Rassismus, kaum Sexismus, eine kritische Distanz zu Eurozentrismus und jede Menge Anknüpftpunkte für emanzipatorisches Handeln. Fast ließt sich Münkler als Theoretiker der Subversion. Doch Münkler wäre nicht „der Münkler“, wenn nicht an den entscheidenen Stellen der liberale pro-Europäer großdeutscher Prägung durchschimmerte.

etnos vs. demos
In der Vorlesung zu Nation und Staat definierte Münkler die Begriffe „Staat“ und „Nation“, um die Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Verbindungslinien zwischen ihnen heraus zu arbeiten. So zog er u.a. die griechischen Wortstämme „ethnos“ und „demos“ als Unterscheidung heran. „Etnos“ verweise auf eine Abstammung, ein Herkunftsgebiet, während „demos“ eine politische Gemeinde sei, die sich durch freiwillige Kooperation auszeichne.

Wissenschaft als Nationspflege

Nation definiert Münkler als gedachtes Kollektiv, als Imagination. Sehr pointiert erläuterte er, dass die bürgerliche Wissenschaft u.a. für die Nations-, also Imaginationspflege zuständig sei. Mit überraschend kritischem Blick legt Münkler dar, dass die doch angeblich so neutrale bürgerliche Wissenschaft u.a. für die „Nationspflege“ da sei. Die Geschichte konstruiere eine gemeinsame nationale Vergangenheit. Die Geographie vermesse angebliche Nationalgebiete. Die Linguistik verschriftliche lokale „Bauernsprache“, um daraus Nationalsprachen zu konstruieren. In diesem Vermessen und Erfinden sei auch die Etnographie und die ehemalige „Rassenkunde“ zu verorten.

„Verdenkmälerung“ verdeutlicht von Oben durchgesetzten Nationsbildungsprozess
Um deutlich zu machen, wie sehr die Schöpfung von Nationen eine von oben durchgesetzte diskursive Normierung ist, erläuterte er die sogennante „Verdenkmälerung“ im 19. und 20. Jahrhundert. Hier hätten die bürgerlichen (lokalen) Eliten selbst auf den kleinsten Dörfern Versuche der „Visualisierung der Nation“ durchgesetzt. Leider unterließ er es, darauf hinzuweisen, dass „das Volk“ eine ähnlichen Interessen dienende Imagination ist.

Nation als Schuldkult?
Bei dieser vernichtenden Beschreibung des Mülls, den die meisten Leute zum Thema Nation bis heute im Kopf haben, schimmerte lediglich gegen Ende des Blocks Münklers extremistische Mitte durch. Er stellte zur Debatte, das Nationen eher durch Trauerkultur als durch Feierkultur zusammen gehalten würden. Für das Beispiel Deutschland träfe dies besonders zu. Schließlich seien alle die Gedenktage, außer dem 3.10. mit „Schuld“ verknüpft.

Streifzug in den rechten Diskurs
Hier streift Münkler den tief rechten Diskurs, der in Deutschland auch einen angeblichen „Schuldkult“ am Werke sieht. Dieser angebliche „Schuldkult“ in Bezug auf die Vergangenheit verhindere, dass Deutschland bzw. die deutschen Eliten wahlweise in der Welt oder in Europa die ihnen na klar wie selbstverständlich zustehende Führungsrolle einnehmen könnten. Auch zu diesem Aspekt finden sich tiefergehende Ausführungen bei Münklers jüngeres Veröffentlichungen. So sieht Münkler den Holocaust, den Nationalsozialismus und die zwei Angriffskriege zur Erringung der Weltmacht regelmäßig lediglich wahlweise als „historische“ oder „demokratische“ Vulnerabilität bei einer an den Interessen der Eliten orientierten Großmachtspolitik. In dieser Semantik sieht man, wie weit sich das pro-europäische liberale Bürgertum, dass den aktuellen Regierungskurs stützt, in seinen Narrativen ziemlich stark an rechte Unsympathen angenähert hat.

Analogie der Ziele
Das liberale pro-europäische Bildungsbürgertum hat seine Wurzel im aggressiven Nationalismus des 19. Jahrhunderts. Von hier schöpft es seine ideologischen Bestände und Deutungsmuster. Zwar hat es sich im 20.Jahrhundert vom aggressiven imperialistischen Nationalismus abgegrenzt, doch das Beispiel zeigt, wie dünn die Trennlinie angesichts des gemeinsamen Erbes ist. Darüber hinaus ist auch die Situation interessant, in der der pro-europäische Liberalismus den Schuldkult des eliminatorischen Nationalismus aufgreift. Für die Nazis ist die Holocaustleugnung bzw. die Relativierung so zentral, weil dieser deutsche Großmachtsprojekte diskreditiert.

Analogie der Zeit
In dem historischen Moment, wo die deutsche liberale pro-europäische Bildungselite ebenfalls offen ihren Führungsanspruch in Europa verkündet und einfordert, stehen sie vor dem selben Problem wie die Nazis. Und wie selbstverständlich begegnet die ach so aufgeklärte deutsche Mitte, die ja so viel aus der Vergangenheit gelernt haben will, ihren Kritiker_innen mit der selben semantischen Konstruktion wie die Neonazis: Dem Schuldkult, der die politischen Folgen des Holocaust und des Weltkrieges relativieren und eine Großmachtspolitik wieder möglich machen soll.

Ideengeschichtliche Genese des Staates
Neben der Dekonstruktion der Nationspropaganda zeichnete Münkler auch die ideengeschichtliche Genese des Staates nach. So sei der Staatsbegriff bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts als „blutrünstiges Ungeheuer“, dass ausgerechnet nur von Professoren verehrt worden sei, wahrgenommen worden. Dem Staat sei als positiver Begriff die ständisch-feudale „heimische Herrschaft“ entgegen gesetzt worden. Dieser Konflikt zwischen auf gegenseitige Loyalität und Abhängigkeit begründete Herrschaft im Personenverband und anhand von Verantwortlichkeiten, Kompetenzen und Zuständigkeiten reglementiertem Territorialstaat, sei der Diskurs erst mit dem Bild des „Vaters Staat“ aufgelöst und positiv gewendet worden. Der hiermit formulierte Fürsorgeanspruch des souveränen und durchsetzungsfähigen Staat habe auch der Legitimation der staatlichen Gewalt gedient.

Münkler kritisiert Wohlstandschauvismismus bei Kant
In diese Entlarvung des Staatsgedanken flechtete Münkler sogar Kritiken an eurozentristischen Gedanken an. So stelle er Kant als proto-deutschen die eigenen Privilegien nicht reflektierenden Spießer vor, dem bei der Begründung seines Misstrauens gegenüber der Imagination „Volk“ nichts besseres einfiel, als in klassisch klassistischer Manier über arme Leute, Lärm, Bettler_innen und Prostituierte abzulästern.

Eurozentrismus bei Marx
Darüber hinaus machte er den Eurozentrismus bei Karl Marx deutlich. Dieser sei bei seinen Analysen von der Situation in Deutschland ausgegangen, „das heißt für Marx den Weltmaßstab“. Auch bei Hegel arbeitete er dessen nationalistische Fixierung auf „das Deutsche“ heraus.

Problem ist das Volk, nicht Nationalismus?
Deutschtümelei ist für Herfried Münkler an sich kein Problem. Analog zu seinen Positionen zu Machiavellis und Carl Schmitts Glaube an Führer, die schon wissen, was richtig sei und dies der Imagination „Volk“ nur gut und mutig genug erklären müssten, macht er sich Hegels Volksbegriff zu eigen. So sei das Volk „der Teil des Staates, der nicht weiß, was er will.“ Und mit diesbezüglichen Verweis auf Dresden und Pegida schließt er: „Da könnte man doch glatt wieder Hegelianer werden“.

Statistik ist Macht
Darüber griff Münkler ein großes Versäumnis der Methodenmodule auf. Münkler machte sein Auditorium explizit darauf aufmerksam, dass Statistik Wissen mit Macht verbinde. So sei Statistik ein gewichtiges Werkzeug bei der Durchdringung der Gesellschaft durch die staatlichen Organe. Eine derartige klare Sichtweise, auf das, was Studierende lernen, fehlt in den Methodenmodulen leider völlig.

Faschismus als institunalisierter Bürger_innenkrieg
Doch gegen Ende blitzt der Münkler wieder durch. Zwei Minuten vor Schluss wagt er sich, fast schon in vertrauter Gewohnheit, nochmal an die ganz großen Themen ran. Er postuliert, dass der Nationalsozialismus mit seiner Ämterkonkurrenz als institutionalisierter Bürgerkrieg gelesen werden könne, da es eine sich die einzelnen Ämter und Behörden ständig bekriegt hätten. Dies habe der Souveränität geschadet. Auch der Bolschewismus haben den russischen Staat erodiert, und nach 1991 mit dem Einfluss der Oligarchen nur Chaos und Anarchie hinterlassen.

Mehr faschistischer Bürger_innenkrieg
Abgesehen davon, dass die verfolgten und überrannten Betroffenen faschistischer und kommunistischer Herrschaft die sie bekämpfenden Diktaturen sicher nicht als erodiert wahrgenommen haben, wäre es vielleicht gut gewesen, wenn die deutschen Faschist_innen sich nicht nur im Kontext des sogenannten „Röhm-Putsches“ und des „Staufenberg-Putsches“ gegenseitig umgebracht hätten.

Nicht alles schlecht bei den Faschist_innen
Darüber hinaus kann Münkler auch ausgerechnet auf der faschistischen Seite Ausnahmen von der ahistorischen Gleichsetzungsthese, dass „der Totalitarismus“ „die staatliche Macht“ erodiere, nennen. Es sind der italienische Faschismus und die „faschistischen Etatisten“ Herrmann Göring und Carl Schmitt, die mit ihrer Politik angeblich die angeblich gesellschaftlich gute und wünschenswerte Durchsetzungsfähigkeit des Staates versucht hätten, zu erhöhen.

Mehr Infos:

Münkler-Watch Folge 3a
hu.blogsport.de/2015/05/03/muenkler-watch-folge-3a/

Alle Münkler-Watch-Texte:
http://hu.blogsport.de/muenkler-watch/

Was ist Extremismus der Mitte?
hu.blogsport.de/2015/01/26/warum-gegen-den-extremismus-der-mitte/


15 Antworten auf „Münkler-Watch Folge 3b“


  1. 1 Dr. Anja Friedrich, München 09. Mai 2015 um 21:26 Uhr

    Wer Herrmann Göring und Carl Schmitt in einem Atem nennt und letzteren als »faschistischen Etatisten« bezeichnet, soll weiterhin Struwwelpeter lesen und Erwachsene in Ruhe lassen.

  2. 2 Elena Aracena, Bonn 10. Mai 2015 um 22:06 Uhr

    Mir scheint, dass da der Ein oder Andere die Thesen nicht verstand… so kann ich mich Frau Friedrich auch nur anschließen.

  3. 3 Peter D 11. Mai 2015 um 7:30 Uhr

    Das der Vergleich hingt ist unbestritten, dennoch ist es gut wenn sich Studenten „wieder“ Auseinandersetzen und „Erwachsene“ in Unruhe versetzen. Dann ist die Kritik ein bisschen dünn und sollte nicht mit H.Hoffmann und Fingerabschneiderei begegnet werden.

  4. 4 globelix 11. Mai 2015 um 10:15 Uhr

    Die Studenten sollten an einer Uni zunächst lernen, dass es keinen Wahrheitsanspruch geben kann. So genannte Wahrheiten basieren auf Beweisen die ebenfalls einem umfassenden Wahrheitsanspruch nicht gerecht werden.

    Auch Professoren sollten das einsehen und in ihrer ersten Vorlesung kurz erwähnen: „Was ich rede ist einfach nur Gerede. Ihr braucht mir nicht glauben, ihr solltet euch vielmehr eure eigenen Gedanken machen. Ihr seid vor allem hier wegen den CPs“
    Dann würde es wohl auch keine Blogs über sie geben.

  5. 5 llamaz 11. Mai 2015 um 10:26 Uhr

    Also ich weiß nicht so recht. Wenn ich mir das hier so durchlese kommt es mir so vor als würde hier der vorlesende Professor für die politischen Theorien über die er referiert persönlich verantwortlich gemacht.
    Demzufolge wäre also ein Geschichtsprofessor der über das Parteiprogramm der NSDAP referiert ein Nazi, weil er nationalsozialistisches Gedankengut verbreitet.

  6. 6 Robespierre 14. Mai 2015 um 22:49 Uhr

    Mal was Anderes: War es der Extremismus der Mitte, der britische Polzisten, Sozialarbeiter und Stadträte hat wegschauen lassen, als 1.400 Mädchen, teilweise11 Jahre, systematisch über Jahre von Männern, die fast ausschließlich aus einem ganz bestimmten Land kamen, auf brutalste Weise missbraucht und gequält wurden? Oder ist es Extremismus der Mitte, dass ich das jetzt hier schreibe?

    http://www.taz.de/!155727/

    Das rechtsradikale Blatt „Tageszeitung“…

    Mir kommt dieser Blog angesichts der wirklichen Probleme ziemlich kindergartenmäßig vor.

  7. 7 Ralf Ressel 15. Mai 2015 um 14:35 Uhr

    Das Blog ist wirklich prima. Analphabeten spielen Wissenschaftskritiker. Inzwischen habe ich keine Angst mehr vor dem Alter, denn für Berufe, bei denen wo noch wichtig ist das man halbwegs vernünftige Sätze schreiben kann, ist die junge Generation völlig ungeeignet.

    (Obwohl, welche Berufe könnten das überhaupt noch sein, wenn „Journalisten“ inzwischen schon fordern dürfen, daß Rechtschreibung keine Schlüsselkompetenz sein sollte – Journal Frankfurt.)

  8. 8 BloggerDepp 19. Mai 2015 um 12:49 Uhr

    Mal ganz unvorsichtig und politisch unkorrekt:

    Hallo ihr BloggerDeppen,
    Seid froh, das ihr einen H. Münkler als Prof habt. Setzt euch lieber mit den Inhalten der Theorien auseinander als mit der referierenden Person.
    Habt ihr mehr von. Und vor allem: Raus aus der feigen Anonymität! Beginnt lieber eine konstruktive Debatte, als euch im Nebel des Internets zu verstecken und euch als destruktive, kleinkarierte intellektuelle Heckenschützen zu entwerfen.

    Dont hate the player, hate the game!

    Es grüßt, der BloggerDepp

  9. 9 Christian M 23. Mai 2015 um 22:31 Uhr

    Über die Nachdenkseiten bin ich auf den Blog gekommen. Wie auch immer, ich finde es gut, wenn sich Studenten kritisch engagieren. Eigentlich schon die Ausnahme. Die Probleme auf der Welt sind immens. Was bringt´s Euch den eigenen Prof zu attakieren? Ein bisschen kleinkariert finde ich das schon, sorry. Mit deutschem „Schuldkult“ hat er meiner Meinung nach auch nicht so unrecht. Ich beobachte gerade die letzten Jahre vor allem von extrem linker Seite, linke Presse etc. immer mehr das Herumhacken auf den Generationen vorher. Vor allem den Menschen die im Nationalsozialismus lebten. So in der Art das seien alles Drecksnazis gewesen, alle beisamen. Nun bin ich in den 70ern geboren, hatte noch Großeltern die den Krieg, die Zeit miterlebten, ein Großvater war einfacher Soldat in der Wehrmacht usw. Es waren normale Menschen. Sogar sehr nette und fürsorgliche Omis und Opis. Mich stört dann schon diese regelrechte Hetze von Leuten die alles nur aus dem Fernseher und Büchern kennen. Und ja, der Schuldkult ist schon offenbar. Ich selbst ging durch das Schulsystem und bin mit diesem Schuldkult zu einer Art Verbrechervolk zu gehören groß geworden. Diese Darstellung Deutschland habe 2x versucht nach der Weltmacht zu greifen ist da schon sehr vereinfachend. Insbesondere was den 1. Weltkrieg anbelangt. So einfach ist das nicht. Man muss schon sehen, dass Deutschland, 2x geschlagen einer Siegergeschichtsschreibung unterliegt, wo die Sieger ihren eigenen Anteil, und den hatten sie definitiv am Ausbruch des 1. Weltkrieges, vertuschen. Desweiteren die Sieger offiziell keine Verbrechen begingen usw. und wenn dann wird das gerechtfertigt, man habe ja die bösen Deutschen an der Welteroberung hindern wollen. Ich selbst komme aus ehemaligen linken Gefilden. Bin historisch immer interessiert gewesen, suchte die Gespräche mit den Alten, die die Zeit miterlebten usw. Im 1. Weltkrieg gab es überhaupt keine Ambitionen Deutschlands kriegerisch Weltmacht zu werden. Und ich hab mich genug damit beschäftigt das ganz selbstsicher sagen zu können. Ich empfehle dann wirklich auch die Primärquellen, Korrespondenzen aus der Zeit usw. zu prüfen. Die Deutschen hatten sogar lange versucht den Krieg zu vermeiden. Außerdem gab es viele Friedensangebote an GB als Deutschland ganz klar Oberwasser hatte. Angebote den Krieg zu beenden und die Territorien so zu belassen wie sie vor dem Krieg waren. England ging aber auf diese Angebote nicht ein. Auch der russische Zar spielte eine entscheidende Rolle im WK1. Von einer Alleinschuld Deutschlands zu sprechen war damals so aberwitzig wie wenn das heute verknorrte Historiker tun die in ihrem „Schuldkult“ verharren. Bücher wie „Die Schlafwandler“ sagen da nichts Neues. Auch der Historiker Fritz Fischer hat in Wirklichkeit nie von einer Alleinschuld gesprochen. Das ist nur eine falsche Behauptung über seine Ergebnisse. Er sprach von einem Zusammenwirken der Eliten, aus allen beteiligten Ländern. Er empfahl den anderen Ländern ebenso sorgsam wie er die Geschichte zum 1 WK zu erforschen. Leider passierte das nie. Denn: der Schuldkult der Deutschland auferlegt worden ist, ist natürlich bequem für die anderen Beteiligten. Insbesondere für GB. Nun, will man Kriege zuknftig vermeiden, ist es gut das Zustandekommen der vorherigen Weltkriege gut zu kennen. Und da ist die gängige Auslegung völlig ungeeignet. Wer sauber prüft und an die Primärquellen geht, wird in der Sekundärliteratur auch einige Fälschungen und falsche Behauptungen finden. Sei es drum, der Schuldkult, das trifft zu. Und das steht einer Gesellschaft auch im Weg. Mitunter ist es auch rassistisch. Deutsche neigen ja vielfach dazu sich selbst zu hassen und zu verleugnen weil sie deutsch sind. Also auch eine Art masochistischer Rassismus. Hier spielt dieser Schuldkimplex, dieser Schuldkult, der auch medial und schulisch aufrecht erhalten wird, eine entscheidende Rolle. Deutschland wurde ja nicht immer als Land der Bösen und Verbrecher angesehen. Es gab auch das Land der Dichter und Denker, der Musiker, der Philosophen, der großartigen Ingenieure, Erfinder usw. Da ist es schon schade, dass der Schuldkult das alles überdeckt und auch Kriege fokusiert. Durch diesen Schuldkult ging auch sehr viel Kultur verloren, schöne Dinge, die Wesensart, da sich die Deutschen immer mehr nicht auf sich sondern auf die Einflüsse von außen fokusierten. Wie auch die Amerikanisierung usw. Einfach auch mal neben der ganzen typischen Sekundärliteratur über die bösen Nationalisten Literatur, Gedichte usw. der damaligen Zeit lesen. Dokumente und Aufzeichnungen von Menschen der damaligen Zeit. Auch mal damit vergleichen was z.B. in Frankreich zu der Zeit gedacht wurde, in England usw. Die Deutschen waren nicht alle hohl. Im Gegenteil. In der Zeit vor dem 1. Weltkrieg waren sie unglaublich erfolgreich, mit positiven Dingen. Das zieht auch den Neid auf sich. Konkurrenzdenken. Das mit der Nation. Heute will man ein Europa. Damals ging es um die Einigung all der deutschen Stämme. Das ist erstmal nichts Negatives. Ein gesamtdeutsches Nationalgefühl kam aber erst nach und nach in den Jahren nach 1871 auf. Vorher gab es das in dem Sinne nicht. Die Deutschen hatte auch Erfahrung mit dem napoleonischen Terror gemacht. Das sind alles Dinge die man da berücksichtigen muss. Der Umgang mit Deutschland nach dem 1. Wk war absolut unfair. Das Land wurde ausgeblutet. Die Menschen hungerten. Unsicherheit. Arbeitslosigkeit. Die Weimarer Zeit war auch politisch sehr turbulent. Und sicher. Dass die Deutschen den Umgang mit dem Land so nicht akzeptieren konnten war klar, denn dieser Schuldkult war nicht so wie heute, wo der Deutsche automatisch den Bückling macht. Es gab keinen Schuldkult. Und den musste es zum 1 WK auch nicht geben. Egal was Ihr sagt. Ich hab mich mein Leben damit beschäftigt. Also hatte einer wie Hitler dann auch leichtes Spiel diese Stimmungen aufzusaugen und zu nutzen. Und das wäre dann das nächste Thema.

    Wie Münkler das meint kann ich nicht genau sagen. Aber das ist mein Beitrag zum Schuldkult. Ich kenne sowas wie „Die gefährliche Kluft zwischen Schein und Tun“ auf Review 2014 von ihm. Gut daran finde ich, dass er quasi empfiehlt den Leuten reinen Wein einzuschenken und sich das ganze Gedudel von wegen Menschenrechten usw. (um sich Legitimation zu holen) zwecks Kriege führen zu sparen. Den scheinbaren Zweck den es dann erfüllen soll, wie mir scheint, Kriege einfacher in die Wege leiten zu können, kann ich dann aber nicht teilen.

    Egal, ich finde Euer Projekt dennoch etwas seltsam. Warum sagt Ihr ihm nicht persönlich Eure Meinung?

  10. 10 herbert 29. Mai 2015 um 12:46 Uhr

    euer Blog, „liebe“ Blog“sportler“, ist zunächst einmal ein schlicht feiger Versuch, Denunziantentum mit einem intellektuellen Mäntelchen zu verhüllen.
    Wenn ihr euch auseinandersetzen wollt, so versucht dies in direkter Rede gegenüber Herrn Münckler. Allerdings steht zu vermuten, dass eure Argumentation auf recht kurzen Beinen daherkommt ;-) )
    Im Übrigen empfinde ich Anklänge an genau das, was Personen eurer Provenienz so häufig kritisieren. Letztendlich steht ihr nur für Egoismus, sinnentleertes Gefasel unter Anlehnung an eine Diktion, wie man sie vor 40 Jahren in sogenannten „Bekennerschreiben“ fand. Geht Steine werfen. Intellektuell seid ihr Versager.

  11. 11 malEineKleineAnfrage 06. Juni 2015 um 22:27 Uhr

    Warum befragen die Politikwissenschaftler der Fakultät nicht
    gemeinsam Herrn Münkler über die vermittelten Empfehlungen
    und Ausfertigungen Münklers in seiner politisch beratenden
    Funktion ?!
    Veröffentlicht einmal diese Interviews und Faktensammlungen!

    Wer Politik beratend gestalten will, dabei
    auf Anonymität aber beharrt, die er blog-watch aber
    untersagen würde, der outet sich als lächerlich und gefährlich!

    Die Lobhudelei um diese Person ist für mich nicht nachvollziehbar.

    Zum Militarismus:
    Münklers shock-marketing erinnert an den Schwarzen Ritter
    von Monty Python! Nur soll Deutschland dieser verblödete
    Schwarze Ritter sein, während er zum Leichenschmaus diniert.
    Da lebt Ihr schon in einer höchstverschuldeten Stadt mit voll blamierten Geheimdiensten,hoher Kriminalität, sehr vielen Süchtigen, mit Salafisten und Völkermördern umgeben von
    den gepimpten Resten der Reste des fast vollständig
    deindustrialisierten Ex-Preußens im DDR-Ruin und
    in Post-DDR-Immoblasen gefangen, in einer Singlehauptstadt,
    mit Brennpunktzonen – und spielt ein Lied, das zu Euch überhaupt nicht paßt!
    Die einzige Voraussetzung für einen Krieg -die seelische Blödheit- ist vielleicht erfüllt.

    Eure Akademiker-Eliten bekommen einen Großstadtflughafen nicht
    gebacken. Teuerste Wohnungen führen an Kloaken entlang!
    Ihr ertrinkt selbst in Schulden, erweist Euch in der Schuldenkrise und in der Ukrainepolitik, in Nahost und Afghanistan als ungeeignet, aber wollt anderen Vorschriften machen??! Oder gar Zwang ausüben?!
    Merkt Ihr überhaupt noch etwas?!
    Münklers Beratungsleistungen müssen offenbar mit Schuld
    an diesen schlechten Resultaten sein. Aber Hauptsache
    die Umfragewerte stimmen.
    Und ausgerechnet so eine Person, wie Münkler befürwortet Krieg.
    Krieg gegen wen, mit Besenstielen als Kanonenrohr? Was will diese Person? Will der für sich noch einmal die ganz großen
    Publikationszahlen erreichen?
    Der soll sich einmal selber im Schlachtfeld bewähren als
    Nachkriegskind bevor er solche Töne vorm sicheren
    Rednerpult spukt!

    Ich halte Ihn für untragbar.
    Nehmt diese akademischen Diven nicht für zu ernst!

  12. 12 Hans S. II 14. Juni 2015 um 21:40 Uhr

    @Christian M
    Ihren Beitrag kann ich nur bestätigen. Ich sehe übrigens den Beginn des II. Weltkrieges bereits am 26.12.1918 – mit dem Überfall Polens auf Deutschland (auf das gleiche Deutschland, welches gemeinsam mit Italien zwei Jahre zuvor die Gründung eines polnischen Staates überhaupt erst ermöglicht hatte!), der Annektierung des „Polnischen Korridors“ (noch vor dem Versailler Diktat!) und der nachfolgenden Vertreibung von 1.500.000 Deutschen, die oft nur das Nötigste mitnehmen durften. (Als im Zuge der Teilung der – von Frankreich und Sowjetunion als „Flugzeugträger“ gegen Deutschland geplanten – Tschechoslowakei 1938 das Olsaer Gebiet an Polen fiel, wurden die dort lebenden Tschechen von ihren slawischen polnischen „Brüdern“ auf die gleiche Weise vertrieben!)

    Hallo Blogger,
    warum bringt ihr eigentlich kein einziges ZITAT aus der Vorlesung von Prof. Helfried Münkler? Es sollte ja wohl kein Problem (auch kein rechtliches) sein, eine Vorlesung mitzuschneiden und dann Satz für Satz auszuwerten. Alles andere ist unwissenschaftlich und endet nur in einer – für Linke allerdings typischen – Polemik, die dem Gegner gern alles mögliche unterstellt, um dann jedes Vorgehen gegen ihn zu rechtfertigen.

    Statt dessen finde ich bei euch Formulierungen wie: „Deutschtümelei ist für Herfried Münkler an sich kein Problem.“
    Warum auch? Der Begriff „Deutschtümelei“ richtet sich ausschließlich gegen das Deutschtum, er unterstellt dem deutschen Volk negative Eigenschaften und Absichten, die angeblich nur für das Deutschtum typisch sind, dieser Begriff ist daher rassistisch (es ist ja nie z.B. von „Franzosentümelei“ oder ähnlichem die Rede). [Es das Gleiche mit dem „deutschen Militarismus“: Wer hat sich denn die Welt kolonial unterworfen? Wer führt seit Jahrhunderten und insbesondere seit 1945 pausenlos Kriege gegen die Völker der III. Welt? Das deutsche Militär? Nein!]

    Zweites Zitat von euch: „Leider unterließ er es, darauf hinzuweisen, dass „das Volk“ eine ähnlichen Interessen dienende Imagination ist.“
    Soll ich vielleicht beim Zentralrat (natürlich anonym) anrufen und dort vermelden, daß ihr der Meinung seid, „dass „das jüdische Volk““ (in Anführungszeichen gesetzt) eine „Imagination“ ist, die irgendwelchen, von euch jedenfalls nicht gebilligten „Interessen“ dient? Aber nicht doch, wie komme ich denn auf so etwas, es ist ja „nur“ das „deutsche Volk“, das ihr meint. Doch auch wie weiland die SED-Führung werdet auch ihr irgendwann mitbekommen, daß das deutsche Volk KEINE Imagination ist!

    Weiteres Zitat von euch: „So sieht Münkler den Holocaust, den Nationalsozialismus und die zwei Angriffskriege zur Erringung der Weltmacht regelmäßig lediglich wahlweise als „historische“ oder „demokratische“ Vulnerabilität bei einer an den Interessen der Eliten orientierten Großmachtspolitik.“
    Hat Prof. Münkler die beiden Weltkriege tatsächlich als „zwei Angriffskriege zur Erringung der Weltmacht“ [soll wohl „Weltherrschaft“ heißen] bezeichnet? Wenn ja, was wollt ihr denn dann noch? Dann ist er doch voll auf eurer Wellenlänge! Doch ihr schreibt nun: „In dieser Semantik sieht man, wie weit sich das pro-europäische liberale Bürgertum, dass den aktuellen Regierungskurs stützt, in seinen Narrativen ziemlich stark an rechte Unsympathen angenähert hat.“ „Vulnerabilität“, „Semantik“, „Narrative“ – und dann auch noch das „pro-europäische liberale Bürgertum, dass [?] den aktuellen Regierungskurs stützt“ im Verein mit „rechte(n) Unsympathen“ – was soll denn mit diesem konfusen Zeug nur gemeint sein? Ah, ich weiß schon: Am Anfang des Satzes lese ich „Holocaust“ und „Nationalsozialismus“, am Ende „rechte Unsympathen“, es geht in dem Satz um Helfried Münkler, der irgend etwas anders sieht als ihr, also sieht er es falsch und will, ja was will er wohl? Wahrscheinlich will er den Holocaust relativieren, weil er von „an den Interessen der Eliten orientierten Großmachtspolitik“ – und nicht von der ewigen Schuld ALLER Deutschen, auch der noch nicht geborenen, spricht. Warum sagt ihr es nicht frei heraus?! Beim Anschwärzen nur nicht schüchtern, irgendwas wird schon hängenbleiben – die linke Praxis von je her!
    Fest steht jedenfalls eines: Wer den „aktuellen [BRD-]Regierungskurs stützt“, ist weder „pro-europäisch“ noch „liberal“, sondern pro-eurokratisch und wirtschaftsliberal – und damit deutschfeindlich bis auf die Knochen. Warum gefällt euch das nicht?

  13. 13 Administrator 15. Juni 2015 um 2:19 Uhr

    @ Hans S.II:

    Lieber Hans, es ist schön zu sehen, dass geschichtskittende Revisionist_innen wie Du in der Konfrontation mit Weltbildern, die mehr als „Freund/Feind“ kennen, so herrlich überfordert sind.

    Vielen Dank für deinen Beitrag!

    Caro Meyer

  14. 14 Alter Schwede 17. Juli 2015 um 11:32 Uhr

    Alter Schwede kommt mal klar,
    ihr redet so geschwollen damit man euch ernster nimmt… weil euch nämlich niemand ernst nimmt… wenn ihr schon so engagiert seid, dann beschäftigt euch lieber mit dem weltfrieden oder helft flüchtligenn statt euren frust an anderen menschen auszulassen… aber jeder entscheidet selbst was er mit seiner kostbaren lebenszeit machen will

  1. 1 Münkler-Watch: Neue Form studentischen Protestes? « Peter Nowak Pingback am 11. Mai 2015 um 1:27 Uhr

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