Münkler-Watch: Prof fühlt sich falsch verstanden und denunziert

Studierende der Humboldt-Universität zu Berlin begleiten in einem Blogprojekt die Vorlesung des Professors Herfried Münkler. Dabei fassen sie zuerst seine inhaltlichen Aussagen aus der Veranstaltung „Politische Theorie und Ideengeschichte“ wöchentlich zusammen, um im Folgenden ausgewählte Zitate des Professors zu kommentieren und zu kontextualisieren. Damit sorgten die Studierenden für ein über die Universität reichendes Echo. Das erste Mal seit Beginn des Projekts wendet sich der kritisierte Professor nun per Blog-Kommentar an die Studierenden: „Selbstverständlich sind die Äußerungen (…) so nie gemacht worden“ verteidigt er sich. Caro Meyer, SprecherIn von HU-Blogsport.de sagt dazu: „Das typische Populist_innenverhalten. Erst auf die Pauke hauen, und es bei Kritik dann gar nicht so gemeint haben…“

Angeblich falsche Zitate
Im Detail verteidigt sich Herfried Münkler gegen seiner Behauptung nach falsche Zitationen aus seiner Vorlesung. Insbesondere eine auf dem Blog scharf kritisierte Aussage Münklers über die Möglichkeit, Arbeitslose im Mittelmeer zu ertränken, leugnet dieser nun. Er habe die Äußerung benutzt, um den barbarischen Staat nach Augustinus zu illustrieren: „Die Äußerung über die der Gefahr des Todes ausgesetzten Arbeitslosen ist also eine im Modus der negativ vorgetragenen Charakterisierung des Staates als Räuberbande. Die Art und Weise, wie ich zitiert werde, verkehrt das Erläuterte somit ins genaue Gegenteil“. Caro Meyer dazu: „Wer sich die Mühe macht, den dazugehörigen Artikel zu lesen, wird feststellen, dass wir sogar Münkler anschließende Relativierung „Ein grausamer Gedanke, eigentlich ganz unmöglich, aber (…)“ mitzitieren.“

Frantz Fanon, Hannah Arendt und Chantal Mouffe als Alibi
Auch bezüglich des Literaturkanons mit einer männlich-weißen Dominanz in der Autor_innen-Auswahl flüchtete sich Münkler in den Vorwurf, der Blog habe ihn mangelhaft zitiert. „Bei seinen Ausführungen geht Herr Münkler auf den dort erhobenen und gut belegten Hauptvorwurf, er instrumentalisiere Rassismen für Witze, überhaupt nicht ein. Laut der Mitschrift der Studierenden erläuterte Münkler damals die als Teilnahmeleistung zu lesenden Texte. „Dass dabei die klassischen Namen immer mal wieder dabei seien, ließe sich nicht vermeiden: „Sie können da einwenden: Nur europäische Autoren. [Kunstpause] Keine Afrikaner.“ Wie sehr sich Münkler auf den unterschwelligen Rassismus im Bildungsbürgertum verlassen kann, zeigte in diesem Moment die amüsiert belächelnden Reaktionen im studentischen Publikum“ heißt es als Beleg der von Meyer angeführten Kritik. „Es ändert nichts am eurozentrischen Charakter der Vorlesung, wenn man einen einzigen schwarzen Autor behandelt.“

Münkler als Opfer und Studierendenretter
Darüber hinaus inszeniert sich Herfried Münkler als Opfer. „Es ist eine eigentlich unerträgliche Situation, unter diesen Umständen der permanenten Denunziationsdrohung (…) eine Vorlesung halten zu müssen“. Weiter droht er mit dem Abbruch der Vorlesung: „Sicherlich wäre es eine Option, unter diesen Umständen die Vorlesung abzubrechen.“ Im nächsten Satz inszeniert sich der kritisierte Professor als Studierendenfreund: „Aber das wäre für unsere Studenten, die sich in einem festgefügten Studiengang bewegen, eine Katastrophe, und deswegen kommt diese Option für mich nicht in Frage“.

Wer die Öffentlichkeit sucht, muss sie auch ertragen

„Münkler trägt als Politik- und Militärberater eine Mitverantwortung für neue deutsche Großmachtsambitionen.“ Sich im Bewusstsein dieser Rolle beleidigt zu geben, finden die Studierenden einfach nur lächerlich. „Wer die Öffentlichkeit bei jeder sich ihm bietenden Gelegenheit sucht, muss sie auch ertragen können, wenn sie kritische Fragen stellt“ kommentiert Meyer. Außerdem hätten Studierende laut Hochschulgesetz einen Prüfungsanspruch und die Uni eine Ausbildungs- und Prüfungsabnahmepflicht. „Wenn Münkler hinschmeißt, nur weil Studierende ihn kritisieren, wird an der Uni noch in 10 Jahren vom Tag, als Münkler ging, gesprochen werden.“

Mehr Infos:

Der Artikel, unter dem sich Münklers Kommentar findet:
http://hu.blogsport.de/2015/05/06/muenkler-watch-studierende-starten-diskussionsprojekt-prof-reagiert-mit-beleidigungen/

Alle Folgen Münkler-Watch:
http://hu.blogsport.de/muenkler-watch/

Artikel über Münkler-Watch bei Spiegel-Online:
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/humboldt-universitaet-berlin-studenten-bloggen-gegen-herfried-muenkler-a-1032545.html


1 Antwort auf „Münkler-Watch: Prof fühlt sich falsch verstanden und denunziert“


  1. 1 DOK 10. Mai 2015 um 12:55 Uhr

    Eine ausgesprochen wichtige Arbeit, die ihr hier leistet. Man hatte ja in den letzten Jahrzehnten den Eindruck, zivilgesellschaftliches Engagement an den Universitäten sei vom Aussterben bedroht. Wir alle leben in gefährlichen Zeiten und es sind Menschen wie Münkler, die in den deutschen Medien zunehmend der europäischen Spaltung, Eskalation und Militarisierung das Wort reden. Wenn ihr es schafft, insbesondere in Studentenkreisen kritisches Bewusstsein zu schärfen, ist das der erste Schritt zu einem politischen Umlenken weg von der Eskalation – hin zur Kooperation.

    Wenn ihr eure Position unredigiert veröffentlichen wollt, könnt ihr diese jederzeit in einem Kommentar im PROPAGANDAMELDER einstellen. Die Ziele des Blogs könnt hier hier nachlesen.

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


eins + = fünf