FAQ: Münkler-Watch

Seit einer Woche liegt die Aufmerksamkeit von Universität und Medien auf Herfried Münkler, Professor für Politische Theorien und Ideengeschichte am SoWi-Institut der HU. Der Grund dafür ist eine Gruppe Studierender, die auf hu.blogsport.de ein „Münkler-Watch“ betreibt. Die Studierenden diskutieren dort die Inhalte der Vorlesung. Herrn Münkler passt das gar nicht. Er nennt die Studierenden „erbärmliche Feiglinge“ und vergleicht die Studierenden mit den Spitzeln der NSA. Er fühlt sich denunziert, bedroht und falsch zitiert. Was ist an Münklers Entgegnung dran?

Warum gehen die alle so ab?
Dass Studierende dokumentieren, was es für die Lehre bedeutet, wenn jemand wie Herfried Münkler diese Verantwortung übernimmt, kommt selten vor. Die bisherige Kritik an Münkelr u.a. von der Fachschaft oder der Informationsstelle für Militarisierung (IMI) richteten sich gegen seine Positionen in den Medien und seine Tätigkeit als Militär- und (Expansions-)Politikberater. Seine Ausrede war regelmäßig, dass er dies ja alles rein privat tue, und es nichts mit seinem Lehrauftrag und der Universität zu tun habe. Diese Ausrede ist angesichts der Dokumentationsarbeit von Münkler-Watch nicht möglich. Hier geht’s ums universitäre Kerngeschäft und deshalb stört es ihn so.

Ihr seid Kommunisten-Trotzkisten!
Auch wenn Herr Münkler das im Tagesspiegel behauptet, weder mit Avangarde, Parteidiszipin, Proletariat oder mit revolutionären Subjekten können wir etwas anfangen. Herr Münkler zeigt hier deutlich seine „Kalte-Kriegs-alles-Kommunisten“-Vorurteile. Denn ist ja klar: Wer was gegen Militarismus, Rassismus und Sexismus hat, muss Kommunist_in sein. Darüber zeigt das Beispiel, wie Herrfried Münkler arbeitet. Uns wirft er vor, unsauber zu zitieren. Münkler hingegen verzichtet gleich völlig auf irgendwelche Belege oder Beweise für seine Trotzkisten-These.

Ihr bespitzelt Herrn Münkler wie die NSA/ die Stasi!
Geheimdienste interessieren sich dafür, was Menschen im Privaten denken, sagen und meinen. Die Erkenntnisse über die Äußerungen im Privaten oder Geheimen behalten Geheimdienste für sich, um sie gezielt bei Bedarf gegen Menschen verwenden zu können.

Wir hingegen zeigen öffentlich, was ein mit öffentlichen Geldern bezahlte Professor öffentlich im Rahmen einer öffentlichen Lehrveranstaltung äußert. Geheimdienste interessieren sich für Geheimes und halten es geheim. Wir interessieren uns für Öffentliches und reden öffentlich darüber. Das ausgerechnet dem angeblichen Historiker Münkler dieser Unterschied nicht auffällt, oder egal ist, dürfte viel über seine Positionen aussagen.

Ihr denunziert Herrn Münkler!
Denunzieren bedeutet, dass man im Geheimen Stattfindendes den sich dafür zuständig fühlenden Autoritäten heimlich mitteilt, damit besagte Autoritäten herrschaftsförmig tätig werden können. Denunzieren ist ein herrschaftsförmiger Vorgang, der sich gegen die der in herrschaftsförmigen Machtverhältnissen lebenden, der Macht unterworfenen Menschen richtet.

Wir hingegen handeln aus einer Position der Schwäche heraus gegen einen wesentlich mächtigeren Prof. Zudem gibt’s keine Instanz, bei der man einen Prof wirksam anschwärzen könnte. Dementsprechend hat Herr Münkler auch keinerlei Konsequenzen zu fürchten, egal wieviel Quatsch er redet. Dass Herr Münkler ausgerechnet diesen Begriff als Beschreibung wählt, zeigt wie wenig er damit umgehen kann, wenn ihn ausgerechnet Studierende öffentlich kritisieren.

Wie unfair, ihr äußert Kritik nur anonym!
Wir stehen als Studierende fast am untersten Ende der akademischen Hierarchie. Von hier aus möchten wir alle einen Abschluss, einen Job und uns den Zugang zu Einkommen wahren. Halbwegs wirkundsvolle Kritik ist, wie wir gerade mal wieder sehen können, offensichtlich nicht gern gesehen und wer im oberen Kreis der Hierarchie informell Druck auf Querulant_innen auszuüben möchte, hat dazu 1001 verschiedene Möglichkeiten. Aus dieser offensichtlichen Asymmetrie der Macht haben wir die Anonymität dieser Plattform gewählt. Wir müssen vorsichtig sein, wenn wir unser kleines bequemes bürgerliches Glück nicht mit postadoleszenter Revoluzzerei verspielen wollen.

Ihr personalisiert eure politische Kritik auf Herrn Münkler!
Jemand, der die Öffentlichkeit derart sucht wie Herr Münkler, sollte sie auch ertragen können, wenn Teile der Öffentlichkeit seine öffentlich geäußerten Thesen kritisieren. Bei einem mit öffentlichem Geldern mit einem öffentlichen Lehrauftrag ausgestattet öffentlich Vorlesungen haltenden Prof sollte auch öffentliche Kontrolle möglich sein. Darüber muss Herr Münkler angesichts seines öffentlichen Wirkens als relative Person der Zeitgeschichte gelten, über die ebenfalls zu berichten legitim sein muss.
Münklers Wirken ist nur ein Symptom für die aktuellen gesellschaftlichen Umstände in denen er agiert. Wir formulieren unsere Kritik auch in dem gesellschaftlichen Kontext aus und versuchen es auf die allgemeine Ebene zu heben. Neben Münkler gibt es viele weitere. Die anderen Münklers sind nur weniger prominent und wir müssen sie nicht jeden Dienstag zwangsweise ertragen, wenn wir unsern Abschluss machen wollen.

Ihr diffamiert Herrn Münkler!
Diffamieren bedeutet, öffentlich wissentlich nicht zutreffende Tatsachenbehauptung über Personen aufzustellen. Wir dokumentieren, was Herr Münkler öffentlich sagt. Wir können nichts dafür, was für inhaltliche politische Positionen Herr Münkler bezieht. Wenn er seine eigenen Statements als „diffamierend“ empfindet, sollte er vielleicht andere Dinge sagen? Darüber hinaus: Wer behauptet im Tagesspiegel, wir seien trotzkistische Kommunist_innen und keine Studierende, ohne jeden Beleg dafür zu haben?

Herr Münkler droht, die Vorlesung absagen!
Nein, tut er nicht. Auf seiner Hu.Homepage deutet er diese Möglichkeit zwar an, aber im Tagesspiegel macht er auf hart und verwirft diese Möglichkeit öffentlich.

Er macht das vermutlich, um Druck auf Studierende aufzubauen. Und er kalkuliert vermutlich damit, dss dieser Druck auf Kurz oder Lang bei uns landet. Wenn er die Vorlesung absagt, sei es, weil er sich Krank meldet, oder remonstriert, muss die Uni unseren Prüfungsanspruch trotzdem garantieren. Auf gut Deutsch: Wenn Münkler hinschmeißt, fällt die Vorlesung vielleicht kurz aus. Dann wird übergangsweise ein_e andere_r Lehrstuhlinhaber_in oder ein Honorar-Prof zuständig. Wenn es ganz schlecht läuft, muss einer seiner Mitarbeitenden die Vorlesung machen. Und am Ende des Semesters finden ganz normal die Prüfungen statt. Herr Münkler wird uns sicherlich nicht den Triumph gönnen, dass er nur wegen ein paar kritischen Texten hingeschmissen habe.

Ihr mobbt Münkler!
Mobbing zielt auf die Person. Wir zielen auf sein Amt. Bei einer Kritik am Amt kritisiert man die Amtsführung. Das machen wir. Beim Mobbing zielt man auf die Person. Man macht sich über die Brille der Person lustig. Man albert über den Zottelbart rum. Man macht mehr oder weniger lustige Sprüche über mehr oder weniger lustige Sprachfehler. Man macht auf Macken der Person aufmerksam. Man amüsiert sich über Vorlieben und private Interessen einer Person. Der Unterschied dürfte deutlich geworden sein.

Was wollt ihr eigentlich erreichen?
Auf hu.blogsport.de erscheinen wöchentlich eine Zusammenfassung der in der Vorlesung genannten Inhalte und kritische Anmerkungen zu den Themen. Wir wollen aufzeigen, wofür Herr Münkler und seine Kolleg_innen öffentlich einstehen. Wir wollen zeigen, was das Schlagwort vom „Extremismus der Mitte“ konkret bedeutet.
Wir wollen zeigen, wie das liberale pro-europäische Bürgertum zu einer eurozentristischen, chauvinistischen Perspektive, die Deutschlands Verantwortung als stärkstes Land in Europa in einer neuen militärischen Vormachtstellung verwirklicht sehen will, neigt. Und wie diese Perspektive die Inhalte der münklerschen Vorlesung formt. Wir sagen nicht, dass er der einzige ist. Er steht durch seine Medienpräsenz symbolisch für weite Teile des Bürger_innentums und der demokratischen Funktionselite. Darüber müssen wir reden, wenn wir nicht auf kurz oder lang Teil davon werden wollen.

Was bedeutet das für die Universität?
Die gesellschaftlichen Machtstrukturen ziehen sich auch durch die Universität. Ziel ist es, das Format der Vorlesung aufzubrechen, und die Inhalte diskutier- und kritisierbar zu machen. Was wir wollen ist eine herrschaftskritische Lehre und Forschung und einen Diskurs auf Augenhöhe, keinen Prof, der sich auf seine angebliche Überlegenheit in der Wissenhierarchie feiert. Der Studierenden im Voraus und wenns passiert ist, beleidigt den Mund verbietet und von Rassismus, Sexismus oder sonstigem nix hören will.

mehr Infos:

Alle Folgen von Münkler-Watch:
http://hu.blogsport.de/muenkler-watch/

Münklers Stellungnahme:
https://www.sowi.hu-berlin.de/lehrbereiche/theorie-der-politik/mitteilungen

Das sind gar keine richtigen Studenten, das sind Trotzkisten! Münkler im Tagesspiegel:
http://www.tagesspiegel.de/wissen/blogger-gegen-professor-der-hu-berlin-warum-muenkler-seine-vorlesung-nicht-aendern-will/11763398-2.html

Warum gegen den Extremismus der Mitte:
http://hu.blogsport.de/2015/01/26/warum-gegen-den-extremismus-der-mitte/


17 Antworten auf „FAQ: Münkler-Watch“


  1. 1 cuiboni 12. Mai 2015 um 9:32 Uhr

    Münkler verdient jede Form der…
    …Solidarität. Diese Methoden sind uns aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts sehr vertraut und ganz klar faschistoid.

    Wissen diese „Aktivisten“ eigentlich wie seinerzeit die „braune Bewegung“ an deutschen Universitäten – auch gleichen Ortes in Berlin – gegen Profs diffamierend, herabwürdigend und verleumdend vorging?

    Man könnte meinen, sie verfügen über eine Blaupause der damaligen Handlungsanleitung und haben diese lediglich aus dem analogen in den digitalen Dialogbereich verlagert. Aber egal, Hetze bleibt Hetze.

  2. 2 frank_meck 12. Mai 2015 um 10:18 Uhr

    „Wir wollen zeigen, wie das liberale pro-europäische Bürgertum zu einer eurozentristischen, chauvinistischen Perspektive, die Deutschlands Verantwortung als stärkstes Land in Europa in einer neuen militärischen Vormachtstellung verwirklicht sehen will, neigt. Und wie diese Perspektive die Inhalte der münklerschen Vorlesung formt. Wir sagen nicht, dass er der einzige ist. Er steht durch seine Medienpräsenz symbolisch für weite Teile des Bürger_innentums und der demokratischen Funktionselite. Darüber müssen wir reden, wenn wir nicht auf kurz oder lang Teil davon werden wollen.“

    Macht weiter so ! Es wäre schön, wenn sich andere Universitäten, vielleicht auch mit Journalistenausbildung finden würden, die ein ähnliches Projekt starten. Es ist erschreckend wie leicht wieder von einem Krieg geredet wird, und immer noch die Vorstellung vorherrscht, dass (mir) schon nichts passieren wird.
    Es wird auch fast überall „Quatsch“ geschrieben und gelehrt und keiner fragt nach. Wenn man das nicht diskutiert und verändert, ist es letztendlich verlorene Lebenszeit.

  3. 3 Daniel 12. Mai 2015 um 11:20 Uhr

    Grundsätzlich finde ich ein vorlesungsbegleitendes Blogprojekt gut, um sich mit den Inhalten der Vorlesung und dem Dozenten auseinanderzusetzen. Was die ganze Sache hier sinnlos macht ist allerdings der unglaublich suggestive Tonfall der Beiträge. Statt sich auf fachlicher Ebene mit der Person und dem Stoff auseinanderzusetzen, wird krampfhaft nach Gründen gesucht, Münkler noch weniger zu mögen.

  4. 4 Kopfschüttler 12. Mai 2015 um 12:30 Uhr

    Bei soviel Selbstgerechtigkeit dreht sich mir der Magen um.

  5. 5 Eier_Stöcke 12. Mai 2015 um 13:51 Uhr

    Genau, eine Journalistenausbildung wäre super. Vielleicht könnten die verantwortlichen Dozenten den künftigen Günter Wallraffs hier (sorry, mir fällt auf Anhieb kein weibliches Exemplar ein, sonst hätte ich hier auch angemessen gegendert) gleich noch ein wenig Nachhilfe in Rechtschreibung, Satzbau und Grammatik geben. Das scheint nämlich geboten.

    Ansonsten: Ihr habt doch einfach keine Eier_stöcke (

  6. 6 nb 12. Mai 2015 um 14:07 Uhr

    Noch einmal ein paar kritische Anmerkungen:

    Anonymität

    Eure Anonymität ist Euer gutes Recht, aber sie torpediert in mehrfacher Hinsicht Eure Absicht eines kritischen Diskurs um den „Extremismus der Mitte“:

    Zunächst führt die Begründung, kritisches Engagement sei nicht karrierefördernd, Eure eigene Position ad absurdum: Ihr prangert Diskriminierung und Ideologie einer Gesellschaft an, deren Schoßwärme Ihr gleichzeitig morgen wieder genießen wollt und deren Mechanismen Ihr so mittragt und reproduziert. Durch diesen wenig selbstkritischen Opportunismus verspielt Ihr Eure Glaubwürdigkeit.

    Caro Meyer besitzt keine Identität? Sie bildet sich in diesem Moment quer durch den Diskurs – in Kommentaren, Presseartikeln etc. – und im Kopf aller teilnehmenden Akteure. Dadurch, dass Ihr sie in der Anonymität nicht expliziert, wird sie umso mehr zum Spielball des Diskurses und lädt mehr zur Unterstellung als zur Identifikation ein.

    Kritische Auseinandersetzungen einzufordern sollte zudem auch Kritik an der eigenen Position bedeuten: Da die Personen hinter diesem Blog nie vollständig Caro sind, verschließt Ihr Euch in dieser Identitätsabstraktion einer wirklich kritischen Reflexivität: Diskursive Subjektzuschreibungen und Argumente können so einfach abprallen, Caro muss keine Stellung beziehen und bleibt jederzeit quasi unantastbar (was sich etwa in den wiederkehrenden Positionen in Interviews oder dieser FAQ spiegelt).

    Zentrales Thema

    Die Position der ‚unantastbaren Caro‘ hat auch Auswirkungen auf das Machtgefälle im Diskurs, welches sich nicht auf Augenhöhe, sondern überproportional zu Euren Gunsten verschoben hat. Durch den ungleichberechtigten Modus dieser Plattform und die (angesichts eines strukturellen, „systemischen“ Problems unnötige) Personalisierung der Kritik, tendieren mitunter eventuell sogar Kritiker Münklers zu dessen Position.
    - In jedem Fall aber, wurden die Akteure somit selbst als zentrales Thema / Knotenpunkt des Diskurses gesetzt. Und so verfehlt der kritische Anstoß sein eigentliches Ziel: Berichte über diesen Blog, Herrn Münkler und viele KommentartorInnen hier (mich eingeschlossen) diskutieren nun in erster Linie Eure Anonymität und die Legitimität und Form der Kritik.

    Form und Stil
    Form und Stil Eures VL-Kommentars tun aus meiner Sicht leider Ihr Übriges, dem emanzipatorischen Anspruch nicht gerecht zu werden:
    Die textliche Verwischung von VL-Inhalt und Kommentar (teilweise keine indirekte Rede, sodass nicht klar ist, welches Bild HM denn nun vertritt und was hereingelesen wurde – Warum keine suaber getrennte durch Absätze getrennte Gegenüberstellung?) sowie das Verdecken von Argumenten durch komplexe Begriffe, deren Autorität und ironisch- bis sakrastische Wendungen nimmt viel Schärfe aus der Kritik – für Uneingeweihte, die das so offenbar bereits gefällte Urteil noch nicht teilen wird so Entscheidung erschwert.
    Vor allem aber ist es schwer nachzuvollziehen, dass KommentatorInnen, die subtile Stereotype in der gesellschaftlichen Praxis anprangern möchten in subversiver Weise im gleichen Moment durch ein lakonisches ‚typisch‘ ebendiese in anderer Richtung reproduzieren.

    Ziele

    Zu Eurer Intention schreibt Ihr:

    „Wir wollen zeigen, wie das liberale pro-europäische Bürgertum zu einer eurozentristischen, chauvinistischen Perspektive, die Deutschlands Verantwortung als stärkstes Land in Europa in einer neuen militärischen Vormachtstellung verwirklicht sehen will, neigt. Und wie diese Perspektive die Inhalte der münklerschen Vorlesung formt.“

    „Darüber müssen wir reden, wenn wir nicht auf kurz oder lang Teil davon werden wollen.“

    Ihr fordert – völlig zurecht – den kritischen öffentlichen Dialog über ein zentrales politisches Thema ein. KommilitonInnen (und auch die mediale Öffentlichkeit) sollen miteinander über Eurozentrismus / Chauvinismus und universitäre Lehre diskutieren. Aufhänger und Anstoß sollen dieser öffentliche Blog und Kommentar bilden.
    Nun offenbaren sich – leider – durch die Personalisierung eines gesellschaftlichen Problems und die Wahl des Mediums bzw. Textform und Stil die Schwäche der Herangehensweise. Während die angesprochene Thematik kaum Ausdruck im Diskurs findet, reduziert dieser sich auf einen reinen Form- und Personenstreit: Caro gegen Münkler. Und dabei tritt durch das Ablehnen eines Gesprächs (was ja zum Ausgleich rhetorischer Fähigkeit auch schriftlich und anonym möglich wäre) zutage, das das eigentliche Ziel womöglich vielmehr in der Ächtung und Anfeindung Herrn Münklers zum Zweck seiner Verbannung aus der Uni bestehen könnte. Das wäre nicht nur verwerflich, sondern verfehlte auch das wichtige Ziel eines wirklich kritischen gesellschaftlichen Dialogs zu Veränderung und Transformation des Umgangs mit Diskriminierung, Ungleichheit und Ungrechtigkeit.

    Ansonsten: Weiterhin kritisch-gutes Gelingen / De(kon-)struktion!

  7. 7 S. 12. Mai 2015 um 16:26 Uhr

    Ich finde es bedauerlich und gleichzeitig bezeichnend, wenn Mitstudenden und Mitstudentinnen der HU in sich wiederholenden Tonfall Herrn Münkler als Vertreter einer vermeindlichen Bewegung darstellen wollen, die in euren Augen anscheinend chauvinistisch, frauenfeindlich und rechtsaußen ist. Die Behauptung „Münklers Wirken“ sei „nur ein Symptom für die aktuellen gesellschaftlichen Umstände in denen er agiert“ ist dagegen schon fast ein Angriff auf die Professorinnen und Professoren der Uni, aber auch an eure Mitstudenten und Mitstudentinnen. Denn darin liegt ein verallgemeindernder Vorwurf, den man vermeiden sollte, wenn man auf „mehr“ bedacht ist, als nur auf seine Welterklärung, auf seine Weltsicht.

    Anstatt sich diskursiv mit den Inhalten auseinander zu setzen, wird von euch erklärt, man befinde sich praktisch in einer Opferrolle, aus der es einen keinen Ausweg gäbe, außer den vermeindlich bösen Worten des Herrn Münkler zu lauschen und sie hier anonym zu kritiseren. Die Behauptung: „Wir wollen zeigen, wie das liberale pro-europäische Bürgertum zu einer eurozentristischen, chauvinistischen Perspektive, die Deutschlands Verantwortung als stärkstes Land in Europa in einer neuen militärischen Vormachtstellung verwirklicht sehen will, neigt“ kommt meiner Meinung nach einer Verschwörungstheorie gleich, denn letztlich behauptet ihr nichts anderes, dass das „liberale (…) Bürgertum“ nach einer militärischen Vorherrschaft Deutschlands strebe. Betreffend ist, wenn eines eurer Plakate dann auch lautet: „Blabla auseinander nehmen.“ Es geht euch nicht um den Diskurs mit Herrn Münkler. Es geht darum gegen eine Strohpuppe herbeizu argumentieren, die ihr Professor Münkler nennt.

    Ich nenne hier mal ein paar Beispiele, und Zitate; So heißt es in eurem Blog:

    (http://hu.blogsport.de/2015/04/16/muenkler-watch-folge-1-14-4-2015/)

    „Münkler agiert in einer Gesellschaft, die wie selbstverständlich mit jeder Faser von der eigenen Überlegenheit überzeugt ist und dadurch überhaupt nicht in der Lage ist, die vielfältigen Leerstellen, die die Bewegungen im eigenen eingefahrenenen „Verbindungsgang“ mit sich bringen, wahrzunehemen.“

    Ich verstehe nicht so recht, was man schreibt, die Gesellschaft sei von ihrer „Überlegenheit überzeugt“ – ich höre da eine Anklage heraus, aber keine Argumente, keine Beispiele, nichts. Es wird einfach gesagt: „Es gibt eine Gesellschaft und die ist von ihrer Überlegenheit überzeugt.“

    „Die Manipulation und das Spiel mit dem Auditorium ist in dieser Vorlesung deutlich subtiler als beim letzten Termin. Sie erfolgen vor allem über die Gewichtung der Autoren. Es ist kein Zufall, dass Machiavelli und Schmidt am meisten Platz in einem Abriss über 2000 Jahre eingeräumt werden“

    Das Wort Spiel suggertiert hier: Er tue das in schädlicher Absicht oder um jemanden (das Auditorium) zu täuschen. Herr Münkler wird hier z.B. vorgeworfen, er würde durch die Zusammenstellung von Autoren, die Leute manipulieren wollen. Wen hätte er den stattdessen wählen sollen und warum?

    (http://hu.blogsport.de/2015/04/22/muenkler-watch-folge-2/)

    „Herfried Münkler äußerte sich in der Vergangenheit bereits über die ‚Flüchtlingsproblematik‘ und betitelte sie als die ‚größte sicherheitspolitische Gefahr des 21. Jahrhunderts‘ und bedauert, dass der humanistische Wertehorizont eine militärische Antwort auf diese Bedrohung ausschließe“

    Im von euch zitierten Link (http://www.aussenpolitik-weiter-denken.de/de/aussensicht/show/article/die-gefaehrliche-kluft-zwischen-schein-und-tun/pages/4.html) heißt es dann von Herrn Münkler wörtlich: „Gleichzeitig ist Europa infolge seiner Wertbindungen nicht in der Lage, diese Flüchtlingsströme an seinen Grenzen zu stoppen und zurückzuweisen, wie man dies bei einem militärischen Angriff versuchen würde.“

    Er sagt: Man darf keine Flüchtlinge abwehren, wie man eine militärische Bedrohung abwehrt. Wo ist da das von euch behauptete Bedauern?

    Dann steht bei euch im Blog: „Er schreckt dabei auch nicht davor zurück, interventionistische Kriege in den Herkunftsländern als optimale Lösungen gegen ‚lüchtlingsströme‘ zu propagieren.“

    Münkler im von euch zitierten Link (http://www.aussenpolitik-weiter-denken.de/de/aussensicht/show/article/die-gefaehrliche-kluft-zwischen-schein-und-tun/pages/4.html):
    „Also bedarf es einer präventiven bzw. präemptiven Stabilisierungspolitik in der europäischen Peripherie, die verhindern soll, dass solche Flüchtlingsströme infolge ethnischer bzw. religiös-konfessioneller Auseinandersetzungen, wirtschaftlichem Elend sowie der damit verbundenen Perspektivlosigkeit oder aber machtpolitischer Rivalitäten in der Region entstehen. “

    Eine präventive Stabilisierungspolitik ist kein „interventionistischer Krieg“. Wo Behauptet Herr Münkler, ein „interventionistischer Krieg“ (gegen wen?) sei die „optimale (sic) Lösung“ gegen das Flüchtlingssproblem ?

    Das sind einfach nur ein paar Beispiele, wo ihr sehr grob, sehr einseitig in Aussagen von Herrn Münkler Aspekte hineininterpretiert, die ein Dritter, wie ich, überhaupt nicht so wahrnimmt und auch nicht teilen kann. Vieles was ich lese, erscheint mir sehr gefärbt und es schadet einer ernsthaften Auseinandersetzung mit Herrn Münkler sehr, wenn man in jedem seiner Worte „Krieg“, „Chauvinismus“ oder welches diffamierende Wort man auch immer da reinprojezieren will. Das macht diesen Watch-Blog eher zum Watch-Blog eurer Ansichten, als zum Watch-Blog von Herrn Münklers Ansichten.

  8. 8 radikallektüre 12. Mai 2015 um 16:48 Uhr

    Mit dem Proletariat könnt ihr nichts anfangen? Das schreibt ihr euch auf die Fahne? Wie schwer die Brüche wiegen können zwischen Akademie und Rest der Welt, weiß ich. Das sollte aber Anlass zur Reflexion sein und keiner, einfach zu verwerfen.

    Bei aller Kritik an diversen Revolutionstheorien, auch wenn dieses revolutionäre Subjekt tot ist, Fragen des Proletariats haben sich auch heute nicht erübrigt … mit Frauen könnt ihr zum Beispiel auch nichts anfangen?

    Und ach ja: Keine Abkömmlinge proletarischer Familien unter euch? Sonst fragt doch die mal …

  9. 9 Kopfnicker 12. Mai 2015 um 18:48 Uhr

    Bei einer Studierendenschaft, die den überwiegenden Teil der im Studium vermittelten Inhalte unreflektiert aufnimmt, ist jede Art von differenzierter Kritik willkommen, ja sogar notwendig. Wer diesem Blog Selbstgefälligkeit vorwirft, war hat wohl Herrn Münkler noch nie reden gehört. Natürlich kann man an dieser Kritik wiederum Kritikpunkte finden, aber zuallererst sollte man*frau aich damit auseinander setzen. Münkelers Verhalten selbst ist mehr als bezeichnend.

  10. 10 Hieronymus Wiesengrund 13. Mai 2015 um 7:58 Uhr

    Leute, bitte lest eure Texte doch noch mal durch bevor ihr sie veröffentlicht. Gerade mit dem Medienrummel um euer Projekt ist diese Frequenz an Grammatik- und Rechtschreibfehlern einfach peinlich, ganz davon abgesehen dass sie eurer Botschaft schadet.

    Das sagt jemand, der sonst sehr gut verstehen kann worum´s euch geht und warum ihr das hier macht, als ehemaliger Student und als Mensch. :)

  11. 11 Michael Bittner 13. Mai 2015 um 10:52 Uhr

    „Wir müssen vorsichtig sein, wenn wir unser kleines bequemes bürgerliches Glück nicht mit postadoleszenter Revoluzzerei verspielen wollen.“ – „Im Dienste der Wahrheit genügt es nicht, Geist zu zeigen, man muß auch Mut zeigen.“ (Ludwig Börne)

  12. 12 Kritik der kritischen Kritik 13. Mai 2015 um 15:21 Uhr

    Von einer kritischen Auseinandersetzung durch Studenten sollte man eigentlich erwarten, dass das Ergebnis nicht schon am Anfang feststeht. Das ist hier aber der Fall, denn es erscheint unumstößlich zu sein, dass das „liberale pro-europäische Bürgertum zu einer eurozentristischen, chauvinistischen Perspektive, die Deutschlands Verantwortung als stärkstes Land in Europa in einer neuen militärischen Vormachtstellung verwirklicht sehen will, neigt.“ (Wer anderes sagt, ist vermutlich eh einer von „denen“? ;)

    Wesentlich glaubwürdiger wäre es, wenn das am Ende der Analyse von der Vorlesung stehen würde und nicht am Anfang. So ist es schlicht einfach nur Verbreitung von Ideologie.

  13. 13 Peter Lustig 17. Mai 2015 um 1:11 Uhr

    Ich kenne das System Münkler aus eigener Erfahrung als Student, auch wenn das schon ein Weilchen her ist: Wer sich offen mit diesem Netzwerk anlegt, der kann an vielen Unis und bei entsprechenden Arbeitgebern einpacken! Auch wenn ich nicht mit jedem Kritikpunkt der Blogger übereinstimme – der Kern der Kritik ist korrekt. Das muss ich hier leider zu Protokoll geben und unterstreichen!

  14. 14 TheGurkenkaiser 18. Mai 2015 um 13:41 Uhr

    ich habe prof. münkler für das gurkenkaisermagazin interviewt und erstaunliches zutage gefördert (unter-die-gürtellinie-Satire mit extra nazikleule!) http://pastebin.com/bwSMgwnT

  15. 15 mertz 22. Mai 2015 um 17:20 Uhr

    ich habe fast nichts von der vorangegangenen Auseinandersetzung und Diskussion gelesen; trotzdem fällt mir etwas sehr unangenehm auf;
    ein Professor behauptet, dass er von seinen Studenten verfolgt wird wie unliebsame Professoren durch nazistische Studenten im heraufziehenden Nazistaat;
    so weit ich die Auseinandersetzung verstehe, tritt dieser Professor jedoch dafür ein, dass sich am bisher friedlichen Deutschland etwas hin zum Militarismus ändert; eine stärkere Militarisierung ist nach meiner Kenntnis in Deutschland zur Zeit politisches Programm; bezogen auf die Nazizeit würde das bedeuten, dass die seinerzeitigen Professoren für die Nazis waren und von antinazistischen Studenten bloßgestellt wurden;
    es ist also vorliegend genau anders, als im vom Professor behaupteten Vergleichsfall;
    der Vergleich ist also völliger Unsinn;
    auch die Sache mit dem Mut der Kritiker, die sich gegen die anonyme Vorgehensweise wendet halte ich schlichtweg für heuchlerisch und letztlich bekloppt;
    wenn man als schwächerer gegen einen stärkeren antritt ist es einfach nur dumm, wenn man mehr als unvermeidbaren Schaden riskiert;
    es sollte sich vielmehr der stärkere der Frage stellen, warum er es nicht ausreichend als risikolos darstellt und behandelt, wenn offen mit ihm gesprochen wird;
    aus meiner Sicht ist eine anonyme Auseinandersetzung bereits ein Indiz, wenn nicht sogar ein Beweis dafür, dass eine offene nicht anonyme Auseinandersetzung nicht möglich ist;
    es lässt sich daraus bereits ein Mangel an Toleranz in der Gesprächskultur des stärkeren erahnen;

  16. 16 George 23. Mai 2015 um 16:35 Uhr

    Basic rhetoric states that who says a thing has zero to do with the truth of what was said. Munkler’s criticism ad hominum reveals that he actually agrees with what MW says, but does not like it… Many might say that it is astonishing that a Professor could be so foolish as to ignore basic rules of dialogue and discourse.

  17. 17 Thrillho 23. Juni 2015 um 11:11 Uhr

    Nach Lektüre diverser Blogeinträge und Kritik an genannten Professor fiel mir spontan nur das ein in Bezug auf die Autoren:

    http://www.der-postillon.com/2015/03/wissenschaftlich-erwiesen-alles.html

    Den Autoren des Blogs sei auch von mir ein Grundkurs in deutscher Rechtschreibung empfohlen. Auf hohem Ross kritisieren, aber nichtmal die „Basics“ beherrschen ;-)

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