Die sonderbaren Methoden des Prof. Dr. M.

In der öffentlichen Debatte um die Aktion „Münkler-Watch“ fällt der wegen seiner Reproduktion von rassistischen und sexistischen Stereotypen kritisierte Prof. Dr. Münkler mit unbelegten Unterstellung auf. Besonders deutlich wird dies bei seinem öffentlichen Mutmassungen über die Identitäten der bisher noch anonym auftretenden Studierenden hinter der Aktion.

Anonymität und Glaubwürdigkeit
Neben der Frage der Anonymität kreist die mediale Berichterstattung über die Aktion „Münkler-Watch“ hauptsächlich um die Frage der Glaubwürdigkeit der auf dem Blog veröffentlichten Vorlesungsmitschriften. So behauptet Prof. Dr. Münkler in einer auf der Institutshomepage veröffentlichten Stellungnahme:„Selbstverständlich sind die Äußerungen (…), die mir unterstellt werden, so nie gemacht worden“. Wie sehr diese für populistische Provokateur_innen typische Strategie angesichts des sozialen Prestiges des Professors aufgeht, zeigt u.a. ein Artikel aus der Hauptstadtredaktion der Süddeutschen Zeitung. Hier wird uns die Feststellung, dass wir aus der Vorlesung frei gewählte Versatzstücke kommentieren, leidenschaftlich um die Ohren gehauen. Dabei sollte das für Perspektiven, die poststrukturalistische Theorien nicht einfach nur für eine Modeerscheinung halten, selbstverständlich sein.

Genauer hinsehen
Wie sehr es sich jedoch lohnt, bei Münklers Behauptungen genauer hinzuschauen, zeigt eine Betrachtung seiner Aussagen über uns. Das erste, was Herrn Münkler einfiel, war ein Vergleich mit dem us-amerikanischen Geheimdienst NSA. Nachdem in der vierten Vorlesung am 5.5.2015 Menschen die im Hörsaal ausgelegten Flugblätter eingesammelt hatten, nahm Münkler Bezug auf die Aktion. Er bedankte sich ironisch für die Ehre, die im zu Teil werde und merkte an, dass eine derartige „antagonistische Methode“ anonymer Beobachtung in der heutigen Zeit doch eher Methode der NSA sei.

Fragwürdige Analogie
Wie viele entscheidende Aspekte Münklers Analogie ignoriert, wird bei einem Vergleich zwischen unserer Arbeit und der von Geheimdiensten deutlich. Letztere interessieren sich dafür, was Menschen im Privaten denken, sagen und meinen. Die Erkenntnisse über die Äußerungen im Privaten halten Geheimdienste vor der Öffentlichkeit und den Betroffenen geheim, um sie gezielt bei Bedarf gegen Menschen verwenden zu können. Wir hingegen zeigen öffentlich, was ein mit öffentlichen Geldern bezahlte Professor öffentlich im Rahmen einer öffentlichen Lehrveranstaltung äußert. Dass ausgerechnet einem Historiker und intensiven Kommentator der Gegenwart wie Herrn Münkler dieser Unterschied nicht auffällt, oder egal ist, dürfte viel über seine Positionen aussagen. Darüber hinaus füttern wir mit den von uns gewonnenen Informationen nicht anschließend irgendwelche Drohnen, die dann in Pakistan oder sonstwo unsere Beobachtungsobjekte wegbomben…

Denunziant_innentum?
Auch der von Münkler erhobene Vorwurf des Denunziant_innentums hinkt. Denunzieren bedeutet, dass man im Geheimen Stattfindendes, den sich dafür zuständig fühlenden Autoritäten heimlich mitteilt. Die können mit dem neuen Wissen anstellen, was sie wollen. Denunzieren ist ein von Hierarchie durchsetzter Vorgang, der sich gegen die in herrschaftsförmigen Machtverhältnissen lebenden, der Macht unterworfenen Menschen richtet. Wir hingegen handeln aus einer Position der Schwäche heraus gegen einen wesentlich mächtigeren Prof. Dass Herr Münkler ausgerechnet diesen Begriff als Beschreibung wählt, zeigt viel eher, wie wenig er damit umgehen kann, wenn ihn ausgerechnet Studierende öffentlich kritisieren. Eigentlich müsste man mal darüber nachdenken, ob Denunzieren nicht viel eher ein angemmessener Ausdruck für das ist, was Herr Münkler laut dem Tagesspiegel tut – unsere Kritik durch die Rechtsstelle der Universität auf ihre Ordungsmäßigkeit und Legalität prüfen zu lassen.

Erinnerung an 1933?
Ähnlich sieht es mit dem von Herrn Münkler in „Die Zeit“ erhobenen Vorwurf, unsere Kritik erinnere ihn an Vorgänge des Jahres 1933, aus. Vermutlich hat Herr Münkler dabei ein Bild vor Augen, dass es so oder so ähnlich z.B. im Spielfilm über Sophie Scholl und die Weiße Rose gibt. Ein liberaler Geschichtsprofessor hält eine Vorlesung, und im Publikum sitzen NS-Schergen in voller Uniform und schreiben fleißig mit. Auch hier verkennt die Analogie die Richtung der von Herrn Münkler viel gepredigten Machtasymmetrie. In der Filmszene haben die Uniformierten im Publikum einen überproportional größeren Zugriff auf die gesellschaftlichen Ressourcen, also damals Gewalt, und können diese ohne Probleme gegen den Professor richten. Der Drohcharakter entsteht hier gerade durch das uniformierte Auftreten der Schergen, da die Uniformen ihre Gewalt symbolisieren.

Quiz: Wer steckt hinter Münkler-Watch?
Wie sehr sich Münkler darauf verlassen kann, dass bei ihm selbst größter Blödsinn nicht hinterfragt wird, zeigen seine öffentlichen Spekulationen über die Identitäten der Menschen hinter unserem Blog. So fabulierte der selbsternannte Universalexperte zunächst mehrmals, wir seien Trotzkist_innen. Belege dafür? Null. Aber macht ja nichts. Münkler ist ja Prof und Universal-Experte und damit zur Theorieschöpfung jeglicher Art fähig. Umso überaschender liest sich in der Frankfurter Rundschau vom 10.6.2015 das Dementi. In dem Artikel „Angriff aus dem Nichts“ zitiert die Autorin Elena Müller Herrn Münkler folgendermaßen: „Es handele sich dabei unter anderem „um eine Philosophiestudentin und eine an der HU nicht als Student eingeschriebenen Person“, sagt der Politologe dieser Zeitung“. Belege? Wieder Null.

Wer verdreht subjektiv?
In beiden Beispielen verdreht Prof Dr. Münkler nicht nur Tatsachen subjektiv, sondern erfindet sie und präsentiert sie ohne jeglichen Beleg. Sein privilegierter Zugriff auf mediale und universitäre Ressourcen zeigt sich u.a. darin, dass viele Medien diese Zuschreibung zunächst ebenfalls ohne jeden Beleg übernehmen. Das hat Herr Münkler nämlich gar nicht nötig. Die Asymmetrie der Machtverhältnisse zeigt sich auch im mittlerweile legendären „Erbärmliche Feiglinge“- Ausraster in der vierten Vorlesung am 5.5.2015. Man stelle sich vor, nicht er hätte uns so öffentlich bezeichnet, sondern wir ihn.

Belege?
Ähnliches lässt auch „Die Zeit“ ihrem prominenten Interviewpartner durchgehen: Völlig belegfreies Gequatsche. Auf den Vorhalt, ihm werde vorgehalten, er sei Militarist, antwortet Münkler: „Ja, und zwar, weil ich den frühneuzeitlichen Staat dargestellt habe als einen, der auf zwei Säulen basiert: der Bürokratie und dem Militär“. Zur Infrastruktur der Macht finden sich zwar im Münkler-Watch 4 Schilderungen der Münklerschen Gedanken, aber keine Kritik daran. Weiter sagt Münkler in der Zeit: „Man wirft mir vor, dass ich die Instrumente zur Durchsetzung von Macht thematisiere“. Auf welchen Text er sich dabei bezieht, verrät er leider nicht. Vielleicht stand es so in FAZ, bei uns jedenfalls nicht.

Genauer hinsehen
Es lohnt sich also, genauer hinzusehen. Wer Macht hat, wird diese auch benutzen. Wer wie Münkler weiß, dass er in den Medien den größten Unsinn quatschen kann, ohne kritische Fragen befürchten zu müssen, wird diese Macht nutzen. Vielleicht liegt hier einer der Gründe, warum Münkler sich an unserem Blog so stört: Im Gegensatz zu den meisten seiner Mitmenschen in den Netzwerken deutscher Printmedien, muss er bei uns mit kritischen Fragen und Kommentaren rechnen.

Mehr Infos:

Alle Folgen Münkler-Watch:
http://hu.blogsport.de/muenkler-watch/

FAQ zu Münkler-Watch:
http://hu.blogsport.de/2015/05/12/faq-muenkler-watch/

Stellungnahme von Prof. Dr. Münkler zu Münkler-Watch:
https://www.sowi.hu-berlin.de/de/lehrbereiche/theorie-der-politik/mitteilungen


2 Antworten auf „Die sonderbaren Methoden des Prof. Dr. M.“


  1. 1 Name 24. Juni 2015 um 11:26 Uhr

    Hey,
    falls eure Gruppe echt aus Zweitsemestern besteht, hat sich vielleicht noch nicht zu euch rumgesprochen, wie sehr Münkler ein Problem mit Belegen hat.

    Die erste Auflage des Lehrbuches zur Politischen Theorie, an das Münkler die aktuelle Vorlesung anzulehnen scheint, musste 2003 der Rowohlt-Verlag nach einer Rüge der Ehrenkommission der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft wegen eines Plagiatsverdachtes zurück ziehen.

    Die Ehrenkommission hatte damals festgestellt, dass das Buch auf Seite 13-54 „in wesentlichen Teilen die Gedanken und Formulierungen des Buches von Wilhelm Bleek (2001): Geschichte der Politikwissenschaft in Deutschland“ übernimmt. „Bei den textnahen Passagen wurde nur in ganz wenigen Fällen auf die Arbeit von Bleek (2001) verwiesen; die wörtlich übernommenen Stellen wurden in keiner Weise als Zitat kenntlich gemacht“.

    Laut Münkler war das alles nur ein Missverständnis: „Die Autoren bedauern die Veröffentlichung ihrer Arbeit in der vorliegenden Form, die – wie sie versichern – durch ein Kommunikationsversagen zustande gekommen ist“.

    Aus: DVPW-Rundbrief 129, Herbst 2003. Bericht der Ehrenkommission. S. 29-31, im Internet zu finden unter: https://www.yumpu.com/de/document/view/7722365/129-politikwissenschaft-dvpw

  2. 2 teils-teils 29. Juni 2015 um 12:52 Uhr

    Zitat:
    “ Hier wird uns die Feststellung, dass wir aus der Vorlesung frei gewählte Versatzstücke kommentieren, leidenschaftlich um die Ohren gehauen. Dabei sollte das für Perspektiven, die poststrukturalistische Theorien nicht einfach nur für eine Modeerscheinung halten, selbstverständlich sein.“

    Ob der „Poststrukturalismus“ nicht vielleicht die affirmativere, trendigere und irrationalere Denkweise ist, sei hier mal dahingestellt. Eine Rechtfertigung für das Aus-dem-Zusammenhang-Reißen von Zitaten ist er jedenfalls nicht. Zu den Irrwegen und zum Terror der – durch den Neoliberalismus geprägten – aktuellen Studi-Generation gehört ja gerade der fehlende Sinn für theoretische und historische Einbettungen, für Gesamtzusammenhänge. Man denkt situativ, und das ist ja auch bequem, wenn man dringend nach „Verdachtspunkten“ sucht. Realistisch ist es aber nicht…

    Was Ihr nicht seht: Es bringt den Ausgegrenzten und Unterdrückten nichts, wenn man nur die Rechtfertigungen für ihre Ausgrenzung und Unterdrückung „dekonstruiert“, ohne gleichzeitig ein positives Zusammenhangskonstrukt wie „One world“ oder „Sozialstaat“ zu vertreten. Euer Dekonstruktivismus führt nämlich nur zu einer „Patt-Situation“: Die stärkere Seite hat keine Rechtfertigungen mehr (braucht sie aber auch nicht: Macht des Faktischen), und die schwächere Seite hat keine Forderungsgrundlage mehr (bräuchte sie aber: Intervention ins Faktische). Also bleibt alles beim Alten!

    Dies und anderes mehr führt dazu, dass Eure Proteste so einen merkwürdig neoliberalen und irrationalen Beigeschmack haben. Aber zu Übungszwecken finde ich es nicht schlecht, und eine gewisse Kritik an Münkler ist ja auch berechtigt.

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